Kirche will sich von "Weltbild" trennen
Die katholische Kirche will sich vom "Weltbild"-Verlag in Augsburg trennen. Das haben an diesem Dienstag der Verband der Diözesen Deutschlands und der Verlag selbst gleichzeitig bekanntgegeben. Gesellschafter des Verlages, der mit 6.400 Mitarbeitern zuletzt 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftet hat, sind zwölf Diözesen, die Soldatenseelsorge sowie der Verband der Diözesen. In jüngster Zeit hatten Berichte über Umsätze, die "Weltbild" mit erotischer und esoterischer Literatur macht, für Kritik an den kirchlichen Eigentümern - aber auch innerhalb der Kirche selbst - gesorgt. Für den zurückgetretenen Aufsichtsratschef Klaus Donaubauer rücken drei Generalvikare in den Aufsichtsrat nach. Radio Augsburg hat an diesem Dienstag bei den Weltbild-Mitarbeitern nachgefragt, wie nach dieser Bekanntmachung die Stimmung im Unternehmen ist.
Prälat Peter Beer (Erzbistum München und Freising), Prälat Michael Fuchs (Bistum Regensburg) und Prälat Georg Holkenbrink (Bistum Trier) sollen nun den Verkauf der Verlagsgruppe im Aufsichtsgremium mit vorantreiben. Der Verband der Diözesen Deutschands kritisiert in seiner Pressemitteilung die "Weltbild"-Geschäftsführung. Wörtlich heißt es: "Es ist der Geschäftsführung nicht gelungen, die internetgestützte Verbreitung sowie die Produktion von Medien, die den ideellen Zielen der Gesellschafter widersprechen, im eigenen Bereich bzw. im Bereich der Unternehmensbeteiligungen hinreichend zu unterbinden. Die Glaubwürdigkeit der Verlagsgruppe und ihrer Gesellschafter hat darunter gelitten."
Wie schnell der Verkauf nun abgewickelt werden kann, ist allerdings völlig unklar. Bereits vor etwa zwei Jahren waren Verkaufsgespräche abgebrochen worden, weil, wie es damals hieß, im Markt kein angemessener Preis erzielt werden konnte. Vielleicht wird "Weltbild" jetzt doch zum Schnäppchen in der Verlagsbranche - denn ganz offenbar wollen die Bischöfe den Konzern nun lieber heute als morgen loswerden.

